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Happiness Journey

Der innere Grottenolm – oder: die Sache mit der Selbstdisziplin…

Voiced by Amazon Polly

Lange habe ich nichts mehr auf meinem Blog geschrieben. Und da wären wir auch schon beim Thema: Selbstdisziplin!

Irgendwie hatte ich in letzter Zeit eine Phase, in der es mir sehr schwer fiel, morgens aus dem Bett zu kommen, mich für die Arbeit fertig zu machen, mich halbwegs gesund zu ernähren, auf der Arbeit nicht zu prokrastinieren, den Haushalt zu erledigen, und und und… Wahrscheinlich hat jeder mit dieser absoluten Unlust zu allen möglichen alltäglichen Dingen schon seine Erfahrungen gemacht. Der eine mehr, der andere weniger. 

Irgendwann ging ich mir mit der ganzen Antriebslosigkeit selbst auf den Keks und habe festgestellt, dass die gute alte Selbstdisziplin auf der Liste mit Dingen, die uns glücklich machen, ganz weit oben steht! Wenn nicht sogar auf Platz 1! Denn mal ehrlich: wenn der Wecker um 6 Uhr klingelt, man aber noch 20 Minuten länger liegen bleibt, weil man einfach keinen Bock hat aufzustehen –  sind das schöne 20 Minuten? Nein! Eigentlich hat man doch die ganze Zeit im Kopf, dass man schon längst aufgestanden sein müsste und dass man sich nun hetzen muss, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen. Hat man es endlich ins Bad geschafft, springt man hektisch unter die Dusche, schminkt sich notdürftig (oder lässt es einfach), bekommt die seltsam verlegenen Haare nicht mehr in den Griff – und fühlt sich wie ein Grottenolm. Vor dem Kleiderschrank angekommen, greift man schnell die erstbesten Teile (die natürlich weder sonderlich gut zusammenpassen noch außerordentlich bequem sind) und fühlt sich wie ein Grottenolm in Putzlappen. Ein hungriger Grottenolm, denn zum Frühstücken bleibt nun natürlich auch keine Zeit mehr. Statt ein gesundes Müsli mit Obst zu essen und ein Glas Saft oder einen Tee zu trinken, trinkt man schnell einen winzigen Schluck Wasser und verlässt hektisch das Haus. 

Nachdem man sich ins Auto gesetzt hat, stellt man fest, dass nicht nur man selbst ordentlich Hunger hat, sondern auch der fahrbare Untersatz. Die Tankanzeige befindet sich haarscharf vorm roten Bereich. Aber jetzt noch tanken? Keine Zeit…und keine Lust! Wird schon reichen, wenn man abends auf dem Rückweg tankt. 

Hat man dann den Arbeitsweg bewältigt (bei jedem Anzeichen von Stau wanderte natürlich ein banger Blick zur Tankanzeige), geht der “Spaß” im Büro weiter. Viele komplexe Aufgaben warten. “Ach, das mache ich später, wenn ich mich fitter fühle”, denkt sich unser innerer Grottenolm. Mit unterschwellig schlechtem Gewissen wird sich einfacheren Aufgaben gewidmet. Aus dem Augenwinkel nimmt man bedrohliche Aktenberge wahr, die höher und höher werden. Eigentlich weiß man genau, dass man sich zuerst den komplexen und dann den leichten Aufgaben widmen müsste. Aber irgendwie ist da eine Hemmschwelle. “Morgen”, denkt sich der Grottenolm, “morgen überwinde ich die Hemmschwelle!”

So verabschiedet man sich abends von den Aktenbergen und denkt mit Bauchweh daran, dass sie geduldig bis zum nächsten Tag auf dem Schreibtisch warten werden.

Endlich sitzt man wieder im Auto und darf nach Hause fahren. Aber halt! Da war ja noch was: richtig, der leere Tank! Mittlerweile fährt man natürlich auf Reserve und schwitzt im zähen Feierabendverkehr Blut. “Hätte ich doch heute Morgen schon getankt!” jault der Grottenolm. Jetzt rächt sich die Trägheit. Mit dem letzten Tropfen Kraftstoff rettet man sich auf die nächstbeste Tankstelle. Schnell an die Zapfsäule, Motor aus, Tankdeckel auf, Benzinschlauch rein, Tankdeckel zu. Bezahlen, wieder rein ins Auto, Motor wieder an. War das so schwer? Nein! Ein Klacks! Hätte man auch am Morgen noch geschafft. Warum steht man sich nur so im Weg? Keine Ahnung! Der Grottenolm zuckt mit den Schultern. Haben Grottenolme Schultern? Egal. 

Zu Hause angekommen, knurrt der Magen. Jetzt noch was “Richtiges” kochen? Ach nee…das ist so mühselig. Also muss eine Tiefkühlpizza herhalten. Schmeckt ja auch mal ganz gut. Gesund ist das natürlich nicht…das weiß auch der innere Grottenolm und so fühlt man sich nach dem Abendessen auch schon wieder schlecht. Vielleicht noch schnell nen Apfel schälen? Och nööö, jetzt nicht mehr. Lieber erst die Küche aufräumen. Obwohl…das kann auch bis morgen warten. Lieber ab auf die Couch. Eigentlich müsste auch die Wohnung mal wieder aufgeräumt werden. Aber das kann man ja am Wochenende machen. So sitzt man auf der Couch und versucht Unordnung und Staubflusen zu ignorieren. Das geht gut, wenn man eine Serie schaut. Oder mal wieder die alten Spanischvokabeln auffrischt, was man ja schon lange mal in Angriff nehmen wollte. Ach nein. Der Grottenolm ist müde und möchte lieber noch eine Folge seiner Lieblingsserie gucken. Und noch eine. Und noch eine. Schlapp und träge hängt man auf der Couch. Ist das gemütlich! Ok, so gemütlich vielleicht nicht. Eigentlich würde man gerne etwas anderes tun. Aber sie ist wieder da – die Hemmschwelle. Ein guter Grottenolm springt nur so hoch wie er muss…und wird sie so wohl nie überwinden…

Lange Rede, kurzer Sinn: es ist nicht schön, wenn man sich im Alltag im Hamsterrad gefangen fühlt. Noch viel weniger schön ist es allerdings, wenn in dem Rad irgendwann kein Hamster mehr läuft, sondern ein Grottenolm….Grottenolme sind nämlich nicht für ein Leben außerhalb ihrer Höhlengewässer geschaffen. Wir Menschen hingegen schon. Also benötigt der innere Grottenolm einen ordentlichen Tritt in den Hintern (ich weiß nicht, ob er wirklich einen hat, aber es soll ja nur ein Sinnbild sein).

Ein wenig mehr Selbstdisziplin an der richtigen Stelle wirkt für unser Wohlbefinden wirklich Wunder. Die innere Stimme sagt uns eigentlich ganz deutlich, wann und wo sie angebracht ist: immer dann, wenn sich ein unterschwellig unangenehmes Gefühl einschleicht und man das Herumgammeln und Faulenzen gar nicht richtig genießen kann. Wenn das schlechte Gewissen an uns nagt und wir eigentlich genau wissen, was wir tun sollten, statt unmotiviert auf der Couch zu liegen…

Das gilt natürlich nicht für Menschen, die krankheitsbedingt an Antriebslosigkeit leiden. Aber jeder, der so wie ich hin und wieder mal in einer solchen Phase steckt, kann sich daraus gut befreien, indem er den inneren Grottenolm mal wieder auf Vordermann bringt. Also gilt zukünftig wieder: Zähne zusammenbeißen und raus aus dem Bett, wenn der Wecker klingelt. Gar nicht groß darüber nachdenken, einfach aufstehen. Und plötzlich hat man wieder mehr Zeit im Bad, die Frisur gelingt, man kann in Ruhe ein Müsli essen und nen Kaffee trinken,fühlt sich nicht mehr ganz so “olmig”, startet im Büro mit den schwierigen Aufgaben, hat am Endes des Arbeitstages nen leeren Schreibtisch und findet nach Feierabend sogar noch ein restliches Fünkchen Elan zur Zubereitung einer schnellen Gemüselasagne (die dann noch für den Folgetag reicht), schlägt für ein halbes Stündchen das Vokabelheft auf, legt sich vielleicht sogar schon das Outfit für den nächsten Tag heraus und kommt auch beim nächsten Weckerklingeln wieder halbwegs motiviert aus dem gemütlichen Bettchen 🙂 

Denn mal ehrlich: 

Fühlt man sich gut, wenn man den Wecker morgens ignoriert? Nein!

Fühlt man sich gut, wenn man zum dritten Mal hintereinander auf der Couch bleibt, statt zum Sport zu gehen? Nein!

Fühlt man sich gut, wenn man im Büro Dinge vor sich herschiebt? Nein!

Wie fühlt man sich stattdessen? Irgendwie olmig, oder?

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