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Happiness Journey

Die Sache mit dem Muttermal…

Puh, der letzte Eintrag auf meinem Blog ist nun schon eine ganze Weile her. Warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe? Ganz einfach: ich musste mir eingestehen, dass ich beim Thema „positives Denken“ wirklich noch ein blutiger Anfänger bin… Aber der Reihe nach:

Irgendwann letztes Jahr im Winter zeigte sich auf meiner linken Handinnenfläche – ungefähr dort, wo der Daumenmuskel ansetzt – ein winzig kleines Muttermal. Leider blieb es nicht so winzig klein, sondern wuchs innerhalb weniger Monate auf eine Größe von knapp 3 mm. Das klingt jetzt nicht so furchtbar groß, doch es reichte aus, um meinen Mann zu dem Ausruf „Was hast du denn da Komisches? Das hab ich bei dir ja noch nie gesehen! Geh mal lieber zum Arzt damit“ zu veranlassen. Wer meinen Mann kennt, der weiß, dass er richtig viele Muttermale hat. In allen Größen, Formen und Farbschattierungen. Manche liegen über der Haut, manche liegen darunter, manche haben lustige Haare, manche sind hellbraun, manche sind tiefschwarz. Mehr oder weniger regelmäßig lässt er alle beim Hautarzt checken. Es kam auch schon vor, dass der Hautarzt vorsorglich das eine oder andere Muttermal entfernt hat – glücklicherweise immer mit negativem Befund. Mein Mann blieb während diesen Prozeduren immer völlig tiefenentspannt, weshalb mich seine Reaktion auf mein mir bis dahin völlig unspektakulär erscheinendes kleines Minimuttermal doch ein wenig erschreckt hat. Da wir zu dem Zeitpunkt noch mitten in unseren Hochzeitsvorbereitungen steckten, entschied ich, das Muttermal einfach ganz in Ruhe nach der Hochzeit begutachten zu lassen. Bei jedem Blick auf meine Hand erschien es mir immer suspekter und es kam mir von Tag zu Tag dunkler, größer und unförmiger vor. So war ich froh, als ich Ende Juni endlich den Weg in meine Hautarztpraxis gefunden hatte. Im Gespräch mit der netten Dame am Empfang entschied ich mich, einen Termin für ein komplettes Hautkrebsscreening zu vereinbaren, statt nur das einzelne Muttermal überprüfen zu lassen. Leider war erst für den 16. Juli wieder ein Termin zu haben und ich wartete voller Ungeduld auf die Untersuchung. Dann war es endlich so weit. Als die Ärztin mich zu Beginn der Untersuchung fragte, ob mir irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen sei, dachte ich mir (warum auch immer), es sei vielleicht schlau, sie nicht direkt mit der Nase auf den Grund meines Besuchs zu stoßen. Irgendwie wollte ich nicht von mir aus den Anstoß geben, das Muttermal herausschneiden zu lassen. Bescheuert, ich weiß. So wurden also erst sämtliche Körperteile untersucht und die Muttermale dort für harmlos befunden, bis es hieß „Jetzt zeigen Sie mir bitte Ihre Handinnenflächen!“ Und es kam, wie es kommen musste…die Ärztin schaute erst recht lange mit dem bloßen Auge auf das neue Muttermal und fragte dann mit besorgtem Blick: „Das hier verändert sich aber nicht, oder?“ Als ich ihr erklärte, dass ich nicht weiß, ob „verändern“ hier das richtige Wort ist, weil das Mal schließlich neu sei, zückte sie ihr Dermatoskop und begutachtete es hiermit erneut skeptisch. Mit seltsamem Gesichtsausdruck meinte sie dann, dass ihr die Struktur und auch die Farbgebung nicht ganz geheuer seien und sie mir empfehlen würde, es entfernen zu lassen. Es wurde direkt ein OP-Termin für den 21. August vereinbart. Da ich ja schon damit gerechnet hatte, dachte ich mir nur „Ok, dann wird es halt entfernt. Ist ja eh alles in Ordnung.“ Bisher war dies zumindest bei sämtlichen Leuten in meinem näheren Umfeld der Fall. Ich hörte ständig von vorsorglich entfernten Muttermalen, von denen sich jedes einzelne als gutartig herausstellte. So doch dann sicher auch bei mir. Oder? ODER? ODER???

Mit genau dieser Frage im Kopf fand ich dumme Nuss mich natürlich wenig später in der Sprechstunde von Dr. Google wieder. Eigentlich wollte ich mich durch eine schnelle Recherche zwischendurch nur beruhigen. Ich war felsenfest davon überzeugt, bestimmt irgendwo etwas lesen zu können wie „neu aufgetretene Muttermale auf der Handinnenfläche sind nie bösartig und werden nur von geldgierigen Ärzten unter fadenscheinigen Vorwänden herausgeschnitten“. Aber falsch gedacht: GERADE neu entstandene Muttermale auf der Handinnenfläche oder der Fußsohle sind in der Regel bösartig und haben eine schlechte Prognose. Na toll. Auch die neben den entsprechenden Artikeln abgebildeten Muttermale sahen meinem leider sehr, sehr ähnlich. Und schon hatte ich mich so richtig in die Sache hineingesteigert. Ich verbrachte bis zum 21.8. sehr viel meiner spärlichen Freizeit in der Praxis Dr. Google und klickte mich von panischem Herzklopfen begleitet durch sämtliche Internetseiten, schaute Videos zu dem Thema auf YouTube an und beäugte fast minütlich das Muttermal. Um es noch besser vergrößern zu können, nahm ich eine Lupe zu Hilfe und machte mit dem Handy natürlich diverse Fotos. Mittlerweile weiß ich, dass Muttermale auf Englisch „moles“ heißen und auf Spanisch „lunares“. Muttermale an den Händen sind dementsprechend „lunares de los manos“. Ich finde, das sagt ganz schön viel über meinen Zustand in den Wochen bis zur OP und mein ungesundes Rechercheverhalten aus… Ich stand ordentlich neben mir. Ich hatte das Gefühl, erst wieder so richtig am Leben teilnehmen zu können, wenn ich weiß, was mit dem Muttermal ist. Wenn ich die Zeilen so lese, die ich hier gerade verfasse, klingt das in meinen Ohren ganz schön übertrieben…aber was soll ich sagen…so war es leider!

Auf den OP-Termin habe ich mich regelrecht gefreut. Ich wollte endlich das Muttermal los sein und endlich wissen, was Sache ist. Die OP war wirklich ein Klacks. Es gab ein paar kleine Betäubungsspritzen in die Hand, die ein bisschen gebrannt haben, das Muttermal wurde (völlig schmerzlos) ausgestanzt, dann wurde die Wunde genäht, es gab ein Pflaster und nen Termin zum Fäden ziehen. Die Wunde heilte wirklich sehr gut ab und am 21.08. sagte mir die Sprechstundenhilfe ganz beiläufig nach dem Ziehen der Fäden (was ca. 2 Sekunden dauerte):„Wir haben jetzt auch Ihren Befund, da war alles in Ordnung.“

Und das war meine Welt dann auch: wieder in Ordnung! ☺

Diese Geschichte hat mir vor Augen geführt, dass ich noch viiiiiel lernen muss, wenn ich zukünftig positiver denken möchte. Wochenlang habe ich mich in etwas hineingesteigert, auf das ich überhaupt keinen Einfluss hatte. Meine „tollen“ Recherchen und das Nachdenken über ungelegte Eier haben mich kein Stück weitergebracht. Eher im Gegenteil. Ich fühlte mich wie ausgebremst und mein Leben stand mehr oder weniger still. Jeder negative Gedanke zog noch mehr schlechte Gefühle und Ängste nach sich. Öffnete ich YouTube, wurden mir direkt Dokus über tödliche Krankheiten vorgeschlagen. Ein gutes Beispiel für das Gesetz der Anziehung und dafür, dass man unter Umständen auch noch mehr von dem anzieht, was man NICHT will, wenn man sich permanent damit beschäftigt… Ich hätte wirklich viel mehr davon gehabt, mich in den Wochen vor der OP mit schönen Dingen abzulenken und an alles Mögliche zu denken, außer an Muttermale! Mal ernsthaft: auch für den Fall, dass das Muttermal bösartig gewesen wäre, wäre es doch viel besser gewesen, die Wochen bis zur Diagnose mit schönen Dingen zu verbringen?

Letzten Endes kann ich glücklich sein, dass ich von der ganzen Sache nicht mehr davongetragen habe, als eine winzig kleine Narbe. Diese Narbe soll mich in Zukunft immer daran erinnern, den Fokus auf das Schöne im Leben zu richten und mich nicht wieder so übertrieben in eine blöde Sache hineinzusteigern.. Da trifft es sich doch ganz gut, dass sie sich an der Hand befindet und ich sie immer gut im Blick behalten kann, oder?