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Happiness Journey

Tag 1: Raus aus dem Rad, ab auf´s Board :D

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Heute war also Tag 1 meines Selbstversuchs und ich bin echt überrascht, dass wir gerade 22 Uhr haben und ich tatsächlich noch voller Elan an einem Blog-Artikel schreibe…Normalerweise gammle ich an einem Montagabend um diese Zeit auf der Couch herum und bin schon mehr oder weniger im Schlafmodus. Heute freue ich mich wie ein Schnitzel, dass ich es tatsächlich durchgezogen habe: ich habe das alte Skateboard meines Mannes (ich selbst hatte als Kind eine typische Supermarktversion, er hingegen ein richtig cooles profimäßiges mit Carhartt-Aufklebern auf der Unterseite, das seit Jahren ein trauriges Dasein als „Dekoartikel“ in unserem Wohnzimmer fristete) in den Kofferraum geladen und bin nach Feierabend eine Runde damit gefahren.

Aber der Reihe nach. Mein Tag startete eigentlich wie immer mit der obligatorischen Montags-Minus-Motivation. Doch war da auch noch etwas anderes: ein kleiner Funken Vorfreude darauf, nach Feierabend mal wieder etwas Neues auszuprobieren. Die Frage „Was ziehe ich heute an?“ war noch schwieriger zu beantworten als sonst, denn es sollte ja ein Outfit sein, mit dem ich den Tag im Büro überstehen konnte, ohne seltsam aufzufallen und gleichzeitig sollte es sporttauglich sein. Darauf, abends im Büro auf der Toilette schnell in Sportsachen zu hüpfen, hatte ich wenig Lust. Also entschied ich mich für eine Jeans mit ganz viel Stretchanteil und ein Poloshirt mit Strickjacke. Damit müsste ich mich eigentlich halbwegs gut bewegen können und auch im Büro ganz ok aussehen.

Auf der Fahrt zur Arbeit überlegte ich schon einmal, wo ich überhaupt meine ersten Runden auf dem Brett drehen könnte, ohne mich dabei bis auf die Knochen zu blamieren. Am besten ein Ort mit wenig Publikumsverkehr. Auf gar keinen Fall ein Skaterpark, wo ich mich direkt vor einem Haufen Jugendlicher zum Vollhorst machen würde. Dann kam mir eine Idee. Es gibt auf halber Strecke zwischen meinem Büro und unserer Wohnung eine Berufsschule mit gut asphaltierten Spazierwegen und einem Sportplatz auf dem Gelände, wo jetzt in den Sommerferien sehr wenig los ist und höchstens mal ein paar Eltern mit ihren Kinder Fahrradfahren üben. Perfekt für mein Vorhaben! Was noch perfekt war: mein Gehirn war während der Autofahrt mal mit anderen Dingen beschäftigt, als sich über andere Verkehrsteilnehmer zu ärgern und in Abständen die Uhrzeit zu checken. Und meine innere Stimme kam gar nicht erst dazu, darüber zu lamentieren, wie ungerecht es doch ist, dass momentan sämtliche Leute im Urlaub sind und die Ferien genießen, während ich dumme Nuss zur Arbeit gurke. Meine innere Stimme hält mir auf dem Weg zur Arbeit sehr gerne Vorträge. Sie handeln wahlweise von Dingen, die ihrer Meinung nach im Büro schiefgehen könnten, von Dingen, über die ich mich im Büro vielleicht ärgern könnte oder auch von Dingen, über die ich mich in der Vergangenheit im Büro geärgert habe. Heute hielt sie tatsächlich mal die Klappe. Das war schön!

Der Tag im Büro verging dann auch recht angenehm. Zwischendurch sah ich mich vor meinem geistigen Auge schon elfengleich auf dem Skatebord über den Asphalt gleiten. Na ja, nicht ganz. Aber es war tatsächlich unterschwellig immer ein Art Vorfreude auf den Feierabend vorhanden.

Und dann kam die 16-Uhr-Müdigkeit. „Willst du gleich echt noch Skateboard fahren? Das ist doch viel zu anstrengend nach der Arbeit. Ruh dich lieber mal aus!“ nölte meine innere Stimme. Aber ich habe nicht nachgegeben und bin tatsächlich nach Büroschluss noch auf das Berufsschul-Gelände gefahren. Der kleine Parkplatz auf dem ich mein Auto abstellte, war jedoch leider nicht leer. Es standen ein paar Spaziergänger neben ihren Autos und unterhielten sich. Ich wartete ungeduldig darauf, dass sie endlich in ihre Autos stiegen und wegfuhren. Aber sie redeten einfach weiter aufeinander ein und blieben dort stehen, wo sie waren. Was würden die wohl denken, wenn ich gleich mein Skateboard aus dem Kofferraum holen und meine Knieschoner anziehen würde? Wie unangenehm! Aber egal, da musste ich jetzt durch. Andere Leute fragen auch nicht danach, was ich von ihren Trekkingsandalen halte und wie ich zu Nordic Walking stehe. Also raus aus dem Auto, Schoner angelegt und mit dem Skateboard unter dem Arm eine günstige Stelle zum Üben gesucht. Die Spaziergänger grüßten übrigens freundlich und schienen keinen Anstoß daran zu nehmen, dass da jemand im typischen Sekretärinnenoutfit bestehend aus rosafarbenem Poloshirt mit passender Strickjacke, Perlenkette und -Ohrringen sowie seriösem Bürodutt plötzlich zum Skatergirl mutierte. Ich hingegen kam mir so richtig blöd vor und hätte am liebsten laut losgelacht, wie ich da mit dem Skateboard unter dem einen Arm und meiner Handtasche unter dem anderen Arm durch die Gegend dackelte. Dann hatte ich eine passende Übungsstrecke gefunden. Ein gerades Stück Asphalt mit einer Bank zum Ablegen der Handtasche. Und keine anderen Leute in Sicht! Es konnte also los gehen. Und dann stand ich tatsächlich nach über 20 Jahren wieder auf einem Skateboard!!! Zwar noch etwas wackelig und erstaunt darüber, wie sehr sich doch der Körperschwerpunkt verändert hat, aber es war ein tolles Gefühl! Und es war echt beeindruckend zu bemerken, dass das Gehirn über all die Jahre hinweg die nötigen Bewegungsabläufe gespeichert hat. Geradeausfahren ging tatsächlich schon ziemlich schnell wieder ziemlich gut! Lenken und Bremsen waren schon schwieriger, aber mit etwas mehr Übung würde auch das sicher wieder klappen. Und dann kamen Spaziergänger. Oh je..und jetzt? Kurz verspürte ich den Drang, mich auf die Bank zu setzen und ganz wichtig Nachrichten in mein Handy zu tippen, bis sie vorbei waren. Aber nein, ich konnte mich dann doch überwinden, weiter Schwung zu holen und auf dem Board an den Leuten vorbeizufahren. Ha!

Irgendwann machten sich dann aber doch lang nicht mehr benutzte Muskeln bemerkbar und ich war ganz schön kaputt von der ungewohnten Bewegung. Zum Abschluss kam aber noch die Kür: ich bin im Stehen den kleinen Berg zum Parkplatz runtergefahren. Yeah! Zwar hätte mein 12jähriges Ich über diesen kleinen Hügel nur müde lächeln können, aber mein 35jähriges Ich (mit seinen ersten zwei bis drei grauen Haaren) fühlte sich dabei phantastisch! Ich kann echt noch Skateboard fahren! Wie cool ist das bitte?!

Müde aber glücklich kam ich anschließend zu Hause an, bin unter die Dusche gehüpft, habe ein paar Aufbackbrötchen in den Ofen geworfen und sitze nun tatsächlich immer noch am PC. Nicht total genervt und übermüdet, sondern tatsächlich richtig gut gelaunt. Und meine innere Stimme hat mich sogar ein bisschen gelobt, weil ich nicht hingefallen bin…:)

2 Antworten auf „Tag 1: Raus aus dem Rad, ab auf´s Board :D“

You go girl!! Danke für deinen inspirierenden Blog und deine tolle Art zu schreiben. Erschreckend in wie vielen Punkten ich meine eigene Situationen wiedererkenne. Bin sehr gespannt wie es weitergeht! Herzliche Grüße

Hi Adry,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich freue mich total darüber, dass tatsächlich jemand meinen Artikel gelesen hat! Das Bloggen ist total neu für mich und fühlt sich noch ein wenig seltsam an 😀 Es beruhigt mich, dass auch du dich in manchen Punkten wiederfindest. Wahrscheinlich ist es auch einfach normal, dass man manchmal mit seinem Leben unzufrieden ist. Es darf nur kein Dauerzustand werden.Ich bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht und in welche Richtung sich mein Blog entwickeln wird. Ich würde mich freuen, wenn du mal wieder hier vorbeischaust! 🙂 Liebe Grüße, Steffi

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